Das DigComp-Modell
Digitale Kompetenzen sind eine der acht Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen der Europäischen Union. Seit 2013 gibt es das europäische DigComp-Modell, das Schlüsselkomponenten von Digitaler Kompetenz beschreibt und mittlerweile in der Version DigComp 3.0 EU-weit im Einsatz ist.
Das aktuelle österreichische Modell für digitale Kompetenzen DigComp 3.0 AT basiert auf dem europäischen Modell und bildet den Kern des Nationalen Referenzrahmens für Digitale Kompetenzen.
DigComp 3.0 AT – Das österreichische Modell für digitale Kompetenzen
Das Modell DigComp 3.0 AT beschreibt die zentralen digitalen Kompetenzen für Österreich. Das Modell umfasst fünf Kompetenzbereiche mit 21 Einzelkompetenzen – von vom Umgang mit Informationen über Kommunikation und Kreation bis hin zu Sicherheit, Problemlösung und Innovation. Vier übergreifende Kompetenzstufen, unterteilt in acht granulare, sorgen für eine klare und europaweit vergleichbare Einordnung.
Das österreichische Modell gibt einen Überblick über digitale Kompetenzen, die für den Alltag und die Arbeitswelt nötig sind. Dazu unterteilt es sich in fünf Kompetenzbereiche, die sich an jenen des EU-Modells orientieren. Sie beschreiben die wichtigsten digitalen Kompetenzen, die Menschen für Alltag, Bildung und Beruf benötigen und bilden gemeinsam die Grundlage für digitale Handlungsfähigkeit in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft.
Der Kompetenzbereich 1 umfasst das Formulieren von Informationsanforderungen sowie das Suchen, Finden und Abrufen digitaler Daten, Informationen und Inhalte. Das Speichern, Verwalten, Organisieren und Analysieren von digitalen Informationen ist hier ebenso enthalten wie das kritische Bewerten von digitalen Quellen, Daten, Inhalten und die zu ihrer Erstellung verwendeten Verfahren.
Im Kompetenzbereich 2 stehen respektvolle und angemessene Kommunikation in digitalen Umgebungen sowie Interaktion, Teilen von Inhalten und Zusammenarbeit im Mittelpunkt – stets unter Berücksichtigung verschiedener Diversitätsaspekte. Mit Hilfe von digitalen Technologien an der Gesellschaft teilzunehmen, Rechte wahrzunehmen und Entscheidungen treffen ist ebenso enthalten wie die Gestaltung der eigenen digitale Präsenz, Identität und Reputation.
Der Kompetenzbereich 3 bezieht sich auf das Erstellen digitaler Inhalte und Objekte, das Bearbeiten sowie Verbessern von Informationen und Inhalten und deren Integration in bestehende Wissensbestände. Ebenfalls enthalten sind die Anwendung von Urheberrecht und Lizenzen, sowie ein verantwortungsvoller und ethisch reflektierter Umgang mit digitalen Inhalten und Objekten. Außerdem umfasst der Bereich Informatisches Denken und das Einsetzen von Programmiertechniken, um digitalen Systemen Anweisungen zu geben.
Der Kompetenzbereich 4 beinhaltet den Schutz von Geräten, Inhalten, personenbezogenen Daten und der Privatsphäre in digitalen Umgebungen. Der Bereich fokussiert außerdem auf die Förderung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und berücksichtigt Vorteile und Risiken digitaler Technologien für das Wohlbefinden und die soziale Teilhabe. Weitere Aspekte in diesem Kompetenzbereich sind das Verständnis von Umweltauswirkungen digitaler Technologien und deren Nutzung, das Ergreifen von Maßnahmen zu ihrer Verringerung und das Einsetzen von digitalen Technologien zur Förderung der Nachhaltigkeit.
Der Kompetenzbereich 5 umfasst das Erkennen und Bewerten von Bedürfnissen sowie den gezielten Einsatz und die Anpassung digitaler Technologien und Umgebungen, um diesen gerecht zu werden. Der Bereich beinhaltet das Identifizieren und Lösen technischer und konzeptioneller Probleme sowie das Nutzen digitaler Technologien zur Optimierung von Prozessen und Produkten oder zur Entwicklung neuer Lösungen. Auch der Aufbau von Fähigkeiten, um in digitalen Umgebungen selbstständig zu agieren, und über Entwicklungen digitaler Technologien informiert zu bleiben, ist Teil dieses Kompetenzbereiches.
Die fünf Kompetenzbereiche sind in insgesamt 21 Einzelkompetenzen unterteilt.
Ergänzend zu den fünf Kompetenzbereichen beschreibt DigComp die Entwicklung digitaler Kompetenzen auf acht Kompetenzstufen, die von grundlegenden bis zu weit fortgeschrittenen Fähigkeiten reichen. Die Stufen unterscheiden sich hinsichtlich der Breite und Tiefe des Wissens, der Komplexität der Aufgaben sowie des Grades an Selbstständigkeit und Verantwortung bei deren Ausführung. Jeder der fünf Kompetenzbereiche wird entlang dieser acht Stufen differenziert dargestellt. Zusätzlich führt das europäische DigComp 3.0 eine vierstufige Referenzstruktur ein, die jeweils zwei Kompetenzstufen zusammenfasst und als Grundlage für die Zuordnung von Lernergebnissen dient. Während in Österreich bisher vor allem die achtstufige Skala verwendet wurde, gewinnt die vierstufige Einteilung durch ihre Bedeutung für Lernergebnisse zunehmend an Relevanz.
Klappen Sie die einzelnen Abschnitte auf, um eine detaillierte Beschreibung der Kompetenzstufen zu erhalten.
Eine Person erkennt einfache Aufgaben und führt diese aus, bei Bedarf unter Anleitung.
Kontext: Einfache Aufgaben
Wissen: Erste Kenntnisse
Selbstständigkeit: Mit Anleitung oder allein ausführen
Stufe 1: Aufgaben angeleitet ausführen
Eine Person benötigt Anleitung, um viele oder die meisten einfachen Aufgabe zu erkennen und auszuführen.
Kontext: Einfache Aufgaben
Wissen: Erste Kenntnisse
Selbstständigkeit: Unter Anleitung ausführen
Stufe 2: Erste Selbstständigkeit zeigen
Eine Person erinnert sich an einfache Aufgaben und führt diese mit wenig oder ohne Anleitung aus.
Kontext: Einfache Aufgaben
Wissen: Erste Kenntnisse
Selbstständigkeit: Mit wenig oder ohne Anleitung ausführen
Eine Person identifiziert klar definierte Aufgaben, setzt diese selbstständig um und löst klar definierte Probleme eigenständig.
Kontext: Klar definierte Aufgaben und Probleme
Wissen: Solides Grundwissen/ erweiterte Kenntnisse
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln
Stufe 3: Tätigkeiten selbstständig ausführen
Eine Person zeigt ein gewisses Maß an Selbstständigkeit in der Identifikation von klar definierten Aufgaben, in der Umsetzung sowie in der Lösung klar definierter Probleme.
Kontext: Klar definierte Aufgaben und einfache Probleme in gut strukturierten und bekannten Situationen
Wissen: Solides Grundwissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln
Stufe 4: Aufgaben souverän bewältigen
Eine Person identifiziert klar definierte Aufgaben, bearbeitet diese souverän und selbstständig und löst klar definierte Probleme.
Kontext: Klar definierte Aufgaben und einfache Probleme in unterschiedlichen, aber bekannten Situationen
Wissen: Solides Grundwissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges und souveränes Handeln
Eine Person prüft Lösungen und wendet diese auf eine Vielzahl komplexer Aufgaben selbstständig an. Sie passt ihr Vorgehen unterschiedlichen Rahmenbedingungen an, um Aufgaben angemessen zu bewerten und auszuführen. Sie leitet andere bei Bedarf an.
Kontext: Komplexe Aufgaben und Projekte
Wissen: Vertieftes und breites Wissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln und Anleiten anderer
Stufe 5: Lösungen anpassen und andere anleiten
Eine Person prüft und wendet Lösungen auf eine Vielzahl klar definierter Aufgaben an und bearbeitet teilweise komplexe Aufgaben. Sie identifiziert Situationen, in denen Vorgehensweisen angepasst werden müssen, und leitet andere bei klar definierten Aufgaben bei Bedarf an.
Kontext: Komplexe Aufgaben und Projekte
Wissen: Vertieftes und breites Wissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln und kann andere bei klar definierten Aufgaben anleiten
Stufe 6: Komplexe Projekte steuern und andere begleiten
Eine Person bearbeitet souverän eine Vielzahl komplexer Aufgaben und reagiert effektiv auf Herausforderungen unter verändernden Rahmenbedingungen. Sie leitet oder steuert komplexe Projekte und leitet andere bei komplexen Aufgaben bei Bedarf an.
Kontext: Komplexe Aufgaben und Projekte in veränderlichen Situationen
Wissen: Vertieftes und breites Wissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln und kann andere bei komplexen Aufgaben anleiten
Eine Person analysiert, bewertet und löst hochkomplexe oder spezialisierte Probleme, um neue Lösungen zu entwickeln oder bestehende Lösungen zu adaptieren. Sie führt und leitet andere bei Bedarf an.
Kontext: Hochkomplexe oder spezialisierte Aufgaben und Projekte
Wissen: Spezialisiertes und hoch aktuelles Wissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln, strategisches Leiten und Begleiten von Teams
Stufe 7: Neue Lösungen entwickeln
Eine Person analysiert hochkomplexe oder spezialisierte Probleme und trägt zur Entwicklung neuer Lösungen bei oder passt bestehende Lösungen an. Sie leitet und begleitet andere bei Bedarf.
Kontext: Hochkomplexe oder spezialisierte Aufgaben und Projekte
Wissen: Spezialisiertes und an neueste Erkenntnisse anknüpfendes Wissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln und Zusammenarbeiten mit anderen, Leiten und Begleiten von anderen
Stufe 8: Strategisch leiten und begleiten
Eine Person leitet und begleitet andere bei der Entwicklung von Lösungen für hochkomplexe oder spezialisierte Probleme.
Kontext: Hochkomplexe oder spezialisierte Aufgaben und Projekte
Wissen: Spezialisiertes und an neueste Erkenntnisse anknüpfendes Wissen
Selbstständigkeit: Selbstständiges Handeln und strategisches Leiten und Begleiten von anderen
Mit DigComp 3.0 wurde auf EU-Ebene ein neues Strukturelement mit über 500 ausformulierten Lernergebnissen eingeführt, das in DigComp 3.0 AT übernommen und für den österreichischen Kontext ergänzt wurde. Die Lernergebnisse beschreiben, was Personen nach einem Lernprozess wissen, verstehen und anwenden können, präzisieren Kompetenzbereiche und Einzelkompetenzen und machen durch ihre Zuordnung zur vierstufigen Skala Kompetenzentwicklung nachvollziehbar. Zugleich dienen sie als offener Orientierungsrahmen, über den KI-Kompetenzen durch explizite und implizite KI-Lernergebnisse sichtbar gemacht werden. Die Lernergebnisse stehen als Exceldatei und zusätzlich als JSON-LD-Datei zur Verfügung, wodurch sie von Websites, Anwendungen, Datenbanken oder Lernplattformen automatisch gelesen, gefiltert und weiterverwendet werden können.